Ebrahim Jamshidi

Ich bin in Afghanistan geboren und mit zwei Jahren zusammen mit meinem Vater und meiner Mutter in den Iran geflohen. Mein Vater hatte Probleme mit den Taliban, welche ihn töten wollten. Zum Glück konnte er den Taliban entkommen. Im Iran bin ich dann aufgewachsen und zur Schule gegangen. Dort hatte man als Flüchtling keine Rechte, sodass der Zugang zur Bildung sehr mühsam war. Bildung hat sehr viel Geld gekostet.  

Um genügend Geld zu haben, unterstütze ich meinen Vater sehr viel. Mit zwölf Jahren habe ich neben der Schule auch noch gearbeitet, um meinem Vater zu helfen. Ich habe dann eine ganze Zeit bei einem Tischler und auf einem Bauernhof gearbeitet. Sogar als Verfahrensmechaniker habe ich dort bereits eine Zeit lang mein Geld verdient. Durch die ganze Arbeit konnten wir nebenbei ein wenig Geld zur Seite legen, um irgendwann nach Deutschland zu kommen. 2015, als die Grenzen offen waren, sind wir aus dem Iran geflohen. Zu diesem Zeitpunkt war ich 17 Jahre alt. Ich bin einen Monat vor meinem Vater geflüchtet. Ich bin zu Fuß bis in die Türkei gelaufen und dort habe ich die Grenze in einem Autokofferraum passiert. In dem Kofferraum wäre ich fast gestorben. Ich hatte so viel Hunger, dass ich gar nichts mehr Essen konnte, denn dann wurde mir übel. In der Türkei bin ich nach Istanbul gekommen. Dort war ich eine Woche, bevor man mich nach Griechenland geschickt hat. Von Griechenland aus ging es dann relativ schnell. Die Schleuser haben uns verteilt und wir sind durch Ungarn, die Slowakei und Österreich bis nach Deutschland gelangt.

Das war eine harte Zeit, die ich keinem wünsche. Wir mussten teilweise 12 Stunden am Stück durch die Berge laufen. Einige konnten nicht mehr laufen, denen habe ich dann geholfen und probiert sie zu motivieren. Leider haben nicht alle überlebt.

Hier in Deutschland bin ich zuerst in eine Flüchtlingsunterkunft nach Frankfurt gekommen. Dort habe ich Betreuer kennengelernt und konnte vier Monate lang einen Deutschkurs besuchen. Anfangs war es sehr chaotisch und wir hatten keinen Lehrer. Dann musste ich auf eigene Faust lernen. Als wir dann einen Lehrer hatten, hat dieser mich motiviert mal zur Berufsfachschule zu gehen. Dort habe ich eine Prüfung abgelegt und diese bestanden. Auf der Berufsfachschule konnte man viele Inhalte über Elektrotechnik lernen. Allerdings wurde mein Asylantrag abgelehnt. Mir wurde von einigen Seiten empfohlen, mich für eine Einstiegsqualifikation zu bewerben. Dafür bräuchte ich allerdings einen Hauptschulabschluss.

Ich habe dann drei Wochen die Hauptschule besucht und den Abschluss mit 1,6 gut bestanden. Anschließend habe ich mich bei Continental beworben und konnte in dem Einstellungstest gut überzeugen. Da dieser auf persisch war, konnte ich die Fragen alle beantworten, da es keine sprachliche Barriere gab. Der Ausbilder hat mir jedoch empfohlen, erstmal die Berufsfachschule zu beenden und mich nächstes Jahr wieder zu melden. Das habe ich dann so gemacht. Ein Jahr später habe ich wieder einen Einstellungstest gemacht, diesmal auf Deutsch. Den habe ich nicht so gut abgeschnitten, sodass ich nicht direkt in die Ausbildung übernommen wurde, sondern ein Einstiegsqualifikationsjahr angeboten bekam. Das habe ich gerne angenommen, denn es war für mich ein Stück Sicherheit, denn so konnte ich vorerst nicht direkt abgeschoben werden. Nach dem Einstiegsqualifikationsjahr habe ich einen Ausbildungsplatz als Mechatroniker in Babenhausen bekommen. Ich bin dort nun im zweiten Lehrjahr.  

Mein Tipp für dich: Es ist enorm wichtig in solchen Situationen viel Eigeninitiative zu zeigen und auch mal nachzufragen.

Datum: 04.08.2021