Ahmad Tamim

Ich bin Ahmad Tamim, 34 Jahre alt und komme aus Syrien. Ich bin gebürtig kein Syrer, sondern war dort selbst ein Flüchtling. In Deutschland gelte ich als staatenlos. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder, welche 10 und 12 Jahre alt sind. Ich komme aus einer Familie mit mittlerem Einkommen und habe aufgrund der finanziellen Situation zwei Jahre vor dem Krieg in Syrien meine Frau heiraten dürfen. Ich habe in Syrien angefangen Dolmetscher zu studieren, konnte es jedoch aufgrund des Krieges nicht beenden. Ich habe zwischendurch noch IT studiert und meinen verpflichtenden Militärdienst in Syrien wahrgenommen.

Als der Krieg begonnen hat, musste ich beides abbrechen. Nach einigem Austausch mit meinen Freunden konnte ich im Nord Irak im Bereich IT arbeiten. Meine Familie ist mir gefolgt und ich konnte dort 3 Jahre bleiben. Die allgemeine Situation war nicht gut: geringes Gehalt, gemischte Kultur und Wetterextreme. Die Grundversorgung ist massiv eingeschränkt. Ihr könnt euch das nicht vorstellen.

Im Irak war es jedoch nicht besser: Das Gehalt hat nicht gereicht. Mein Vater hat die Miete bezahlt. Ich habe das Essen besorgt. Meine Tochter hat im Irak Autismus bekommen, was auf die belastende Situation zurückzuführen ist. Versicherungen und ärztliche Behandlungen musste man vor Ort bezahlen, wir konnten es uns allerdings nicht leisten. Dann haben wir beschlossen, dass wir unter den katastrophalen Zuständen dort nicht bleiben können. Irak war ein Schritt nach hinten und nicht nach vorne!

Folglich ist meine Frau mit unseren Kindern zurück nach Syrien gegangen und ich bin nach Deutschland geflüchtet: Ich bin von dem Irak in die Türkei geflogen. Dann bin ich mit dem Boot weiter geflüchtet. Zwischendurch bin ich viel zu Fuß und mit Schmugglern unterwegs gewesen. Insgesamt war ich 18 Tage unterwegs. An der Grenze zu Ungarn hat unser Schmuggler all unser Geld gestohlen. Ich war so müde und kaputt, dass ich dann dort zur Polizei bin und vorerst in Ungarn Asyl beantragt habe. Als ich dann in Deutschland war, habe ich hier ebenfalls Asyl beantragt. Ich bin froh in Deutschland zu sein, denn Deutschland ist bekannt für den technischen Fortschritt und der Qualität der Industriewaren. Deutsche Produkte wurden in Syrien stets bewundert und stehen für einen hohen Lebensstandard. Diese Bewunderung hat mich auf Deutschland gebracht. 

Mein erstes Flüchtlingslager war in Braunschweig, bevor ich später nach Wennigsen gehen musste. In Wennigsen lebe ich noch heute. Dort war ich sehr aktiv, habe sofort einen Deutschkurs belegt und für die Gemeinde als ITler gejobbt. Des Weiteren habe ich mich in der Theatergruppe eines Klosters engagiert. In dieser Gruppe war eine Frau, deren Mann der Geschäftsführer von Vergölst ist. Nach meinem Deutschkurs habe ich mich bei Vergölst beworben und wurde zu Gesprächen eingeladen. In dem Gespräch musste ich eine Aufgabe zum Thema IT lösen. Mir wurde dann eine Einstiegsqualifikation angeboten, da meine Sprachkenntnisse noch nicht ausreichend waren. Das habe ich gerne angenommen und nach diesem Jahr bin ich in die normale Ausbildungszeit gestartet. Am Anfang war es alles ein wenig schwierig für mich. Viele neue Systeme und die neue Berufsschule waren eine Herausforderung. Die fachbezogene Sprache in der Schule war für mich sehr kompliziert zu verstehen. Daraufhin habe ich mich mit der IT und dem HR Bereich zusammengesetzt und vereinbart, dass ich im Betrieb parallel mitarbeiten kann, um die fachbezogenen Inhalte besser zu verstehen. Außerdem habe ich während dieser Zeit eine Nachhilfeschule besucht. Mit der Unterstützung von Continental (IT und HR) konnte ich meine Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration letztendlich erfolgreich abschließen.

Während der Ausbildungszeit ist nach zwei Jahren meine Familie nach Deutschland nachgekommen. Ich konnte meine Tochter endlich in Behandlung geben. Mit meiner Ausbildungsvergütung waren die Mittel immer knapp und so konnten wir uns nur eine kleine Wohnung leisten. Als dann noch Corona kam, war es eine große Herausforderung auf engem Raum zu leben. Letztendlich bin ich aber richtig froh, dass ich meine Ausbildung trotz einiger Hürden geschafft habe und erfolgreich beenden konnte.

Ich bin nun seit Juli 2021 Mitarbeiter im Team User Help Desk. Ich helfe bei technischen Problemen. Die Arbeit mit den Kolleg:innen macht viel Spaß. Wir lernen und lachen viel miteinander. Bei Sachen, die ich mal sprachlich nicht verstehe, sind meine Kolleg:innen immer hilfsbereit und erklären mir diese. Es macht hier richtig Spaß!

Wie ich auf Continental gekommen bin? Auch in Syrien gibt es Reifen von Continental. Die sind da aber sehr teuer und stehen für hohe Qualität. Es ist schon eine Art Statussymbol, wenn man Continental Reifen hat. Als ich dann in Niedersachsen war, habe ich erfahren, dass Continental seinen Hauptsitz in Hannover hat. Also ein sehr bekanntes Unternehmen in der Region. Deswegen bin ich sehr zufrieden, bei einem Tochterunternehmen der Continental, Vergölst, arbeiten zu können.

Ich empfehle allen Geflüchteten eine Ausbildung in einem Unternehmen zu absolvieren. Egal wie alt man ist! Wenn man sagt, ich will das machen, dann schafft man es auch!

Datum: 05.08.2021

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