Pressemeldung
05. November 2015

Im Schwarm besser: Continental testet das vernetzte Fahrzeug

  • Mit Demofahrzeugen testet Continental den dynamischen elektronischen Horizont (eHorizon) erstmalig auf der Straße.
  • Schwarm-Prinzip: Vernetzte Fahrzeuge bilden die Basis für detaillierte und hochaktuelle Streckeninformationen aus der Cloud.
  • Anwendungen reichen von Assistenzsystemen der nächsten Generation über Effizienzsteigerung bis zum automatisierten Fahren.

Frankfurt, 5. November 2015. Das Technologieunternehmen Continental stellte erstmalig Ergebnisse von Fahrtests mit dem vernetzten, dynamischen elektronischen Horizont (eHorizon) vor. Für Fahrzeuge wird es immer wichtiger, über die vor ihnen liegende Strecke Bescheid zu wissen. Dabei reichen die heutigen Verkehrsmeldungen und digitalen Straßenkarten längst nicht mehr aus – wichtig sind vielmehr exakte Informationen über Streckeneigenschaften wie Steigungen oder Kurvenradien, temporäre Geschwindigkeitsbegrenzungen und andere Verkehrszeichen, Änderungen der Spurführung durch Baumaßnahmen und ähnliches mehr. Mit seinem „dynamischen eHorizon“ bietet Continental eine Lösung, die den nötigen Informationsbedarf von Fahrzeugen erfüllen kann.

„Das Internet wird nicht nur das Infotainmentangebot im Fahrzeug erweitern, es wird das Fahrzeug direkt verbessern. Das Prinzip dahinter: je besser die Informationsbasis, desto sicherer, effizienter und komfortabler das Fahrzeug“, weiß Ralf Lenninger, Leiter Strategie, Systementwicklung und Innovation, Division Interior, Continental. „Zukünftig werden Fahrzeuge in einem Internet of Cars, hochgenaue, -aktuelle und -zuverlässige Informationen über das Straßennetz sammeln und für alle Verkehrsteilnehmer unmittelbar nutzbar machen.“

Verbesserungspotential bieten bereits heute erhältliche Assistenzsysteme wie Abstandsregeltempomaten, oder die Effizienzoptimierung von konventionellen und elektrifizierten Antrieben bis hin zur schrittweisen Annäherung ans automatisierte Fahren. So könnte der eHorizon zukünftig beispielsweise eine Aussage darüber treffen, ob die kommende Strecke hoch- oder sogar vollautomatisiert zu befahren ist, oder ob der Fahrer die Fahraufgabe nur teil-automatisiert abgeben kann und die Verantwortung bei ihm bleiben muss.

Die Funktionsfähigkeit des dynamischen eHorizon und beispielhafte Anwendungen testet Continental nun mit neuen Demofahrzeugen. Die Fahrzeuge sind per Mobilfunk an die Backend Plattform von Continental angebunden, die den Datenaustausch in beide Richtungen ermöglicht. Die Systeme an Bord erhalten auf diesem Weg ständig aktualisierte Strecken- und Umgebungsdaten wie topografische Zusatzinformationen oder temporäre Geschwindigkeitslimits.

Gleichzeitig können die vernetzten Fahrzeuge auch Informationen der eigenen Sensoren und Bordsysteme in die Cloud zurückmelden. So tragen sie ihrerseits zur ständigen Verbesserung und Aktualisierung des Kartenmaterials und der darauf aufbauenden Zusatzinformationen bei. Mit diesem „Schwarm“-Prinzip schaffen die Continental-Entwickler die Basis für zahlreiche intelligente Anwendungen.

Vielseitige Anwendungsgebiete für dynamischen eHorizon

Eine mögliche Anwendung zeigen auch die Continental-Testfahrzeuge. Über die Kameras detektieren sie variable Geschwindigkeitsbegrenzungen oder temporär eingerichtete Verkehrszeichen und melden diese ins Backend. Die gemeldeten Informationen werden dort geprüft und aggregiert. Wenn die Zuverlässigkeit einer Information etwa durch Meldung aus mehreren Fahrzeugen bestätigt wurde, kann das System damit die Karte im Backend aktualisieren und an alle vernetzten Fahrzeuge in der betroffenen Region ausstrahlen. Grundlegend sind die Kartenupdates, die zum Beispiel für Assistenzfunktionen der nächsten Generation eingesetzt werden können kachel-basiert. Das heißt, die lokal im Fahrzeug gespeicherte hochauflösende Straßenkarte wird bei Bedarf durch Ausschnitte einer im Backend gespeicherten und dort laufend aktualisierten HD-Karte ergänzt. Dabei überträgt das System immer nur den Kartenausschnitt, der für den aktuellen Aufenthaltsort des Fahrzeugs gerade relevant ist. So lässt sich der per Mobilfunk transportierte Datenverkehr gering halten, während das Fahrzeug gleichzeitig immer über die aktuellsten Kartendaten verfügt.

Anwendungen profitieren von immer detaillierteren und hochaktuellen Streckendaten

Die neuen Versuchsfahrzeuge von Continental auf Basis von Mittelklassefahrzeugen erlauben es, die beschriebenen Funktionen im Praxiseinsatz zu demonstrieren und zu testen. Auch die Anbindung ans Backend und die dort durchgeführten Datenanalysen lassen sich mit Hilfe der Demofahrzeuge erproben.

„Mit dem dynamischen eHorizon bietet Continental eine Lösung, mit der Fahrzeughersteller ihre Angebote für Assistenzsysteme sowie künftige Antriebstechnologien und Verkehrskonzepte perfektionieren können“, so Lenninger, „Dabei gewährleistet das leistungsfähige Backend-System, dass alle Nutzer dieser Technologie von den aktuellen und immer detailreicheren Streckendaten profitieren, während sie gleichzeitig aktiv zur Verbesserung der Genauigkeit und Datenqualität dieser Informationen beitragen.“

Die Daten aus dem eHorizon ermöglichen oder verbessern zahlreiche Funktionen im Fahrzeug. So nutzen LKWs bereits seit 2012 mit dem statischen eHorizon von Continental eine Vorgängerversion der Technologie. Sie stellen ihre Motorleistung auf das Höhenprofil der Strecke ein. Einer Schätzung von Continental zufolge spart jeder eHorizon LKW bereits mit dieser Information durchschnittlich 1500 Liter Diesel pro Jahr. Auch für Hybridfahrzeuge, angefangen beim 48 Volt System, kann der eHorizon entscheidende Informationen liefern, um den Antrieb möglichst effizient zu nutzen. Rein elektrische Fahrzeuge, können die Informationen des eHorizon nutzen, um ihre Reichweite vorausschauend und genau zu berechnen. Fahrzeuge mit Abstandsregeltempomat, können dank eHorizon ihre Geschwindigkeit nicht nur an vorausfahrende Fahrzeuge sondern auch an aktuelle Tempolimits oder Kurvenradien anpassen, so dass der Fahrer nur noch lenken muss. Der eHorizon ermöglicht darüber hinaus auch Funktionen wie das Augmented Reality Head-up Display. Die Informationen über den genauen Straßenverlauf aus dem eHorizon werden dazu genutzt, den Effekt der Augmentierung zu erzeugen und beispielsweise den Navigationspfeil so im Head-up Display anzuzeigen als wäre er tatsächlich auf die Abbiegespur gezeichnet.

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