Transformation

Transformation - Durchstarten in Richtung Zukunft

Dr. Elmar Degenhart, Vorstandsvorsitzender Continental:

Zulieferer wie Continental leisten wesentliche Beiträge zu einem gesunden Ökosystem der Mobilität, das zugleich dem ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Klima Schutz bietet.

Transformation bedeutet Wandel. Der Prozess der Veränderung vom aktuellen Ist-Zustand zum angestrebten Ziel-Zustand in der Zukunft. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, Bestehendes auszutauschen oder zu ersetzen, sondern auf aktuelle wirtschaftliche und gesellschaftliche Dynamiken zu reagieren. 

Aus dem Lateinischen „transformare“ (umformen) stammend, bedeutet Transformation vor allem, sich stetig weiterzuentwickeln, auf Chancen und Risiken zu reagieren und neue Wege zu gehen.

Eine Gesellschaft im Wandel

Umweltverbände und die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ haben für einen Umbruch im Denken zum Thema Mobilität in unserer Gesellschaft gesorgt. Jeden Freitag gehen Menschen in der ganzen Welt auf die Straße und demonstrieren für einen effektiven Klimaschutz. Das Thema stellt die Gesellschaft vor hohe Herausforderungen: Einerseits ist Mobilität unverzichtbar für die wirtschaftliche Entwicklung und das gesellschaftliche Leben, andererseits muss Mobilität nachhaltiger, sicherer und komfortabler werden.

​​​​​​​Eine Industrie steht vor neuen Herausforderungen

Der Wandel der Mobilität hat große Auswirkungen und der Druck wird weiter zunehmen: In Zeiten voranschreitender Digitalisierung, verschärfter CO2-Werte und Elektro-Revolution sieht sich die Automobilindustrie vor neue Aufgaben gestellt. Der Verbrennungsmotor wird durch den Elektromotor ersetzt. Wer den Transformationsprozess aktiv mitgestalten kann und wer auf der Strecke bleibt, hängt vor allem von der Fähigkeit ab, sich rechtzeitig den aktuellen Veränderungen anzupassen.

Hinzu kommt, dass eine nicht zu bestreitende Unsicherheit bei den Verbrauchern besteht: Weltweit wurden im ersten Halbjahr 2019 rund fünf Prozent weniger Autos als 2018 verkauft. In den USA und China verzeichneten deutsche Automobilhersteller seit Beginn des Jahres Rückgänge von mehr als 20 Prozent. Die Wirtschaft rechnet auch in diesem Jahr mit weiteren massiven Rückgängen. Die weltweite Corona-Epidemie verstärkt diese Entwicklung deutlich.

Die Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten haben sich auf schärfere CO2-Werte bei Neuwagen geeinigt: Der CO2-Ausstoß soll bis 2030 um 37,5 Prozent im Vergleich zu 2021 sinken.

Automobilindustrie bleibt wenig Zeit – doch sie können noch gegensteuern

Viel Zeit für den Wandel haben Automobilkonzerne nicht mehr: Denn für die Branche markiert das Jahr 2020 eine Zeitenwende - vor allem in der Gesetzgebung. Ab 2021 gelten strengere EU-Grenzwerte für den CO2-Ausstoß von Neuwagen. Im Schnitt darf dann die Neuwagenflotte jedes Herstellers in Europa nicht mehr als 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Ansonsten drohen Strafzahlungen von 95 Euro je zusätzlichem Gramm und Fahrzeug. Die deutsche Bundesregierung wird die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung in Klimaschutzmaßnahmen reinvestieren oder an die Bürgerinnen und Bürger in Form einer Entlastung an anderer Stelle zurückgeben.

Durchstarten in Richtung Zukunft

In diesem Jahr starten die meisten Konzerne deshalb große E-Auto-Offensiven. Denn bisher haben Elektroautos in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, wie beispielsweise Schweden oder Norwegen, trotz steigender Zulassungszahlen noch nicht den Durchbruch auf dem Massenmarkt geschafft. Um die Ziele des Klimaschutzprogramms der Bundesregierung zu erreichen, müssen bis 2030 sieben bis zehn Millionen E-Autos auf den Straßen in Deutschland unterwegs sein. Obwohl es derzeit in Deutschland rund 24.000 öffentliche Ladepunkte gibt – das sind fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr – gibt es immer noch viele Löcher im Ladenetz. Um dem entgegenzuwirken, sollen in den kommenden zwei Jahren rund 50.000 neue öffentliche Ladepunkte entstehen, damit das Elektroauto alltagskompatibel wird und problemlos in Parkhäusern, Tiefgaragen sowie am Arbeitsplatz geladen werden kann. Die Bundesregierung will durch die Einführung höherer Kaufprämien von bis zu 6.000 Euro den Erwerb von E-Autos attraktiver machen.

In den kommenden zwei Jahren sollen rund 50.000 neue Ladesäulen für Elektroautos deutschlandweit entstehen.

Zeit des Wandels

Auch für große Zulieferer wie Continental bedeutet die Transformation eine Herausforderung. Wo früher Diesel- und Benziner-Antriebstechniken im Vordergrund standen, setzt sich Continental heute fast ausschließlich mit Zukunftsthemen auseinander, wie dem assistierten, automatisierten und vernetzten Fahren, der Realisierung neuer Fahrzeugarchitekturen und die Vernetzung von Autos mithilfe neuer Hochleistungscomputer, das Geschäft mit Software und Daten auf Basis intelligenter Produkte aus Kunststoff, Kautschuk oder Elektronik sowie das Geschäft mit Industrie- und Endkunden.

Im November vergangenen Jahres startete Continental ein weltweites Strukturprogramm „Transformation 2019-2029“ zur Beschleunigung des Technologieumstiegs. Ziel ist die nachhaltige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Die Umstellung auf Elektromobilität führt weltweit zu Anpassungen und auslaufender Produktion an einzelnen Standorten. Die fortschreitende Digitalisierung im Bereich der Anzeigen- und Bedientechnologien sorgt für einen Umbruch in den Schwerpunkten der Produktion. Profitable Wachstumsfelder wie autonomes und vernetztes Fahren rücken in den Vordergrund, ebenso wie Dienstleistungen für Mobilitätskunden, das Reifen- sowie das Industrie- und Endkundengeschäft. Autos entwickeln sich langsam zu rollenden Smartphones, die mit immer mehr Assistenzsystemen bestückt werden, bis sie autonom fahren. All das verändert die Automobilbranche fundamental: die Fabriken, die Belegschaften, die Prozesse und die Produkte.

Produktion der Leistungselektronik für Hybrid- und Elektrofahrzeuge in der Antriebssparte von Continental.

Zuliefererbranche im Umbruch

Seit Oktober 2019 arbeitet die vollumfänglich verselbstständigte Division Powertrain unter dem Namen „Vitesco Technologies“. Das junge, attraktive Unternehmen ist als Pionier im Bereich Elektronik und Elektrifizierung bestens positioniert, um von dem Trend zur E-Mobilität und den damit verbundenen Wachstumsperspektiven zu profitieren. So konnte sich Vitesco Technologies kürzlich auch einen Großauftrag zur Lieferung innovativer elektrischer Heizelemente für Dieselkatalysatoren von einem europäischen Fahrzeughersteller sichern. Diese E-Kat-Technologie wird in zwei 48-Volt hybridisierten Transporter-Modellen des Herstellers zum Einsatz kommen. Serienstart des Millionenauftrags ist für Ende 2022 vorgesehen. Der innovative elektrische Heizkatalysator dient der Emissionssicherheit der Fahrzeuge gemäß der geplanten Abgasnorm Euro 7. Ziel ist, die Grenzwerte für Stickoxide massiv zu senken. Diese liegen momentan bei Euro 6 noch bei 80 mg bzw. 60 mg pro Kilometer. Bei Euro 7 könnte nur noch ein Wert von 35 bis sogar nur 20 mg Stickoxiden pro Kilometer erlaubt sein. Autobauer stellt das vor eine große Hürde, die nur dank Innovationen im Bereich der alternativen Antriebstechnologien gemeistert werden kann. Der von Vitesco Technologies entwickelte E-Kat ist eine Form der smarten Elektrifizierung für Verbrennungsmotoren.



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