Pressemeldung
30. September 2020

Continental-Aufsichtsrat beschließt Einstellung der Reifenproduktion in Aachen

  • Aufsichtsrat bestätigt Vorstandsbeschluss zur Einstellung der Reifenproduktion am Standort Aachen zu Ende 2021
  • Hart umkämpfter europäischer Markt für Pkw-Reifen stagniert seit 2017
  • Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Produktionsnetzwerks von Continental wird so vor dem Hintergrund struktureller Überkapazitäten nachhaltig gestärkt
  • Continental will auch weiterhin am Standort Deutschland investieren

Hannover, 30. September 2020. Der Aufsichtsrat der Continental AG hat in seiner heutigen Sitzung die seit Anfang September 2020 bekanntgegebenen, erweiterten Maßnahmen des Programms „Transformation 2019-2029“ bestätigt. Mit den heute gefassten Beschlüssen wurden auch die Weichen für eine zukunfts- und wettbewerbsfähige Aufstellung des Reifenbereichs gestellt, der sich mit weiter steigenden Überkapazitäten in Europa konfrontiert sieht. Vor diesem Hintergrund bestätigte der Aufsichtsrat die Entscheidung des Vorstands, die Produktion im Reifenwerk in Aachen zu Ende 2021 einzustellen. Dies betrifft rund 1.800 der rund 2.000 Arbeitsplätze dort.

„Die Einstellung der Reifenproduktion in Aachen ist schmerzvoll für unsere betroffenen Mitarbeiter. Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. In den kommenden fünf bis zehn Jahren sehen wir keine Trendwende bei der Auslastung unserer europäischen Werke und rechnen langfristig mit einer ungenutzten Kapazität von rund 15 Millionen Reifen, wenn wir jetzt nicht handeln“, sagte Philipp von Hirschheydt, Leiter des Pkw- und Lkw-Reifenersatzgeschäfts von Continental in Europa, Nahost und Afrika. Er fügte hinzu: „Nur wenn wir unsere strukturellen Überkapazitäten in Europa jetzt konsequent reduzieren, gelingt es uns auf dem hart umkämpften Reifenmarkt langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.“

Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern erarbeitet Continental nun verantwortungsvolle und möglichst sozialverträgliche Lösungen für die betroffenen Mitarbeiter in Aachen. Ebenfalls hat das Unternehmen erste Sondierungsgespräche mit der Landesregierung Nordrhein-Westfalen und der Stadt Aachen aufgenommen. Ziel ist die Entwicklung tragfähiger Konzepte mit Blick auf die Nachnutzung des Standorts.

Grund für die Einstellung der Reifenproduktion in Aachen ist die rückläufige Auslastungssituation in allen europäischen Reifenwerken des Unternehmens in einem auf Sicht nicht wachsenden Markt. Deshalb passt Continental die vorhandenen Überkapazitäten dem Marktbedarf an und verringert damit zugleich den Kostendruck, der auf allen europäischen Werken lastet. Die vorhandenen Überkapazitäten führen bereits seit mehreren Jahren zu enormen finanziellen Belastungen und verringern damit nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit von Continental. Das Reifenwerk in Aachen ist mit einem Produktionsvolumen von acht Millionen Pkw-Reifen pro Jahr das kleinste und zudem der kostenintensivste Standort im gesamten europäischen Produktionsnetzwerk des Unternehmens.

Hart umkämpfter europäischer Markt für Pkw-Reifen stagniert seit 2017

Die Automobilindustrie befindet sich in einem beispiellosen Strukturwandel. Bereits seit 2018 werden immer weniger Fahrzeuge gebaut. Dieser Wandel betrifft nicht zuletzt die Zulieferer und damit Continental und ihren Reifenbereich. Während die Nachfrage im europäischen Reifenmarkt seit Jahren stagniert, erhöhen neue Anbieter den Wettbewerbs- und Preisdruck auf die europäischen Hersteller. Die Folge sind weiter steigende Überkapazitäten in einem auf Sicht nicht wachsenden Markt. Diese Marktveränderungen – durch die COVID-19-Pandemie weiter beschleunigt – verschärfen die Situation.

Continental plant auch weiterhin am Standort Deutschland zu investieren

In den vergangenen zehn Jahren hat allein der Reifenbereich von Continental in Deutschland insgesamt mehr als eine Milliarde Euro investiert. So wurden in den zurückliegenden Jahren dort verschiedene hochmoderne Technologie- und Forschungszentren geschaffen und bestehende Reifenproduktionsstandorte weiterentwickelt. Auch weiterhin plant Continental am Standort Deutschland zu investieren.

Im Jahr 2018 eröffnete das Unternehmen sein „Taraxagum Lab Anklam“ genanntes Forschungslabor in Anklam, Mecklenburg-Vorpommern. Dort wird die Verarbeitung von Russischem Löwenzahn als alternative Rohstoffquelle zum Kautschukbaum in den Tropen erforscht. Continental plant, den Rohstoff in Zukunft in der Serienproduktion einzusetzen.

Am Standort Korbach in Nordhessen wurde 2016 das „High Performance Technology Center“ eröffnet. Hier erprobt Continental Herstellungsverfahren für alle Reifenwerke weltweit und fertigt Hightech-Reifen für die automobile Sport-Luxusklasse.

Am Standort Hannover-Stöcken, der auch die Basis der weltweiten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten des Reifenbereichs von Continental ist, hat der Reifenhersteller im Jahr 2013 das weltweit einzigartige „ContiLifeCycle-Werk“ in Betrieb genommen. Mit seinem integrierten Ansatz aus Heißrunderneuerung für Lkw- und Busreifen sowie einer eigens entwickelten Gummirecycling-Anlage nimmt das Unternehmen in der Reifenindustrie damit eine Vorreiterrolle ein.

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