Innovationen dank agiler Softwareentwicklung

Die stetige Überprüfung des eigenen Handelns prägt auch die Arbeitsweise im Software-Powerhouse von Continental. Statt wie andere Unternehmen und Wettbewerber sämtliche Digitalressourcen zusammenzuziehen und Gefahr zu laufen, jahrelang mit der internen Reorganisation beschäftigt zu sein, verfolgt Continental einen dezentralen Ansatz: Alle funktionsnahen Softwareentwicklungen laufen in den thematisch verantwortlichen Geschäftsbereichen und werden je nach Thema und Skalierungsbedarf crossfunktional umgesetzt. Im Bereich Holistic Engineering and Technologies (Heat) fungieren 200 Mitarbeiter als zentraler Hub, der weltweit für die Etablierung neuester Standards und Prozesse für die agile Softwareentwicklung gemeinsam mit OEMs, Zulieferern und weiteren Playern dient.

Heat trifft sämtliche strategischen Grundsatzentscheidungen zu Softwarethemen im Konzern. Der Bereich mit Teams in Deutschland, Portugal, Indien, Rumänien und den USA übernimmt dabei Zeitzonen-übergreifend eine Art Government-Funktion und agiert als Treiber für die Transformation von Continental hin zu einem Softwareunternehmen.

Und gerade bei der Softwareentwicklung folgt das Unternehmen neuen Ansätzen. Traditionell wurde das Funktionspaket einer Software am Ende des Entwicklungsprozesses getestet. Heute wird bei Continental die Methode des agilen Entwickelns verfolgt: Jedes Softwarepaket wird in kleinen Schritten im Gesamtsystem getestet, um regelmäßig valide, funktionierende und zuverlässige Stände zu haben. Fehler werden kontinuierlich erkannt und beseitigt. Continental bedient sich dabei ähnlicher Ansätze wie die IT-Branche. „Um die Herausforderungen der Systemintegration zu meistern, ist der Kulturwechsel hin zu agilem Arbeiten unabdingbar“, erläutert Softwareexperte Michels. Und fügt hinzu: „Durch das Ownership der einzelnen Teams entsteht eine enorme Motivation.“

Continental entwickelt dazu Kollaborationstools, wie das Continental Cooperation Portal, das eine weitgehende Automatisierung bei der Integration und Tests von Softwarepaketen ermöglicht. Abgeschlossene Softwarebausteine werden in eine virtuelle Bibliothek für bestimmte Fahrzeugfunktionen übertragen. Alle Geschäftsbereiche sind aufgefordert, ihre Lösungen hierüber zur Verfügung zu stellen. Und so wächst durch jedes Softwareprojekt der Fundus, aus dem sich neue Produkte und Produktkombinationen schnell ableiten lassen – es ist wie eine Art interner App-Store.

Das führt zu einer schnelleren Reaktionsfähigkeit und kürzeren Entwicklungszyklen. Hinzu kommen eine kontinuierliche Weiterentwicklung und direktes Feedback. Heute werden die Softwarepakete in eine große Softwarebibliothek integriert. So können die Schnittstellen bereits in frühen Stadien automatisiert getestet werden. Das funktioniert auch über Unternehmensgrenzen hinaus und sorgt dafür, dass externe Kooperationspartner über das Continental Cooperation Portal frühzeitig nahtlos integriert werden. Standardfehler können so schon früh automatisiert erkannt und ausgemerzt werden.

Den Entwicklern kommt neben der eigentlichen Funktionsentwicklung noch eine weitere wichtige Rolle zu: Sie sind die Speerspitze im Kampf gegen Angriffe von außen. Traditionell gab es zwar nur wenige Angriffsmöglichkeiten für Hacker in einem Fahrzeug. Tuning und die Manipulation von Kilometerständen waren die einzigen Ziele. Heute ist das anders. Deswegen wird im Continental-Software-Powerhouse ab der ersten Codezeile „Security by Design“ befolgt. Auch bei komplexen Systemen werden die Sicherheitsregularien in allen Teilsystemen strikt eingehalten.   

Generell gilt bei Continental: keine Vernetzung ohne den richtigen Sicherheitsansatz. Dazu erarbeiten die Hannoveraner weltweit gemeinsam mit Elektrobit und Argus Cyber Security Sicherheitskonzepte, die alle vernetzten Steuergeräte einbeziehen und über das gesamte Fahrzeugleben hinweg für wirksamen Schutz sorgen. So werden Updates der Sicherheitssoftware zum regelmäßigen Teil der Fahrzeugwartung, wie Reifen- oder Ölwechsel.

Eine weitere Erfolgsstory für den innovativen Output agiler Methoden ist der Cockpit-High-Performance-Computer. Er führt verschiedenste Anzeigen wie das Kombi-Instrument und das Mittelkonsolendisplay mit Internet-basierten Diensten zu einer Gesamtlösung zusammen. Continental folgt damit dem unternehmensprägenden Ansatz: weg von vielen einzelnen Steuergeräten, hin zu wenigen Hochleistungscomputern.

Teil des Kulturwandels ist bei Continental auch ein umfassendes Verständnis des agilen Arbeitens. „Dazu gehört eine hohe Automatisierung der ständig ablaufenden Testroutinen und eine Kombination aus strengem Gating und transparenten Qualitätsprüfungen“, berichtet Michels. Am Agile Campus in Wetzlar beschränkt sich die Nutzung agiler Methoden und Werkzeuge aber nicht auf die Softwareentwicklung. Continental wagt den großen Wurf und stellt weitere Unternehmensbereiche sukzessive auf agile Prinzipien um. „Wir sind heute schon fit für die Anforderungen der Automobilhersteller weltweit, die uns gezielt auf eine Zusammenarbeit auf der Grundlage agiler Methoden ansprechen“, sagt Jens Walther, Experte für agile Entwicklung bei Continental. Das Thema Software ist bei Continental disruptiv – im positiven Sinne.

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